»Wollt ihr gern runtergehen?« fragte Onkel Einar. »Das lie-

ße sich vielleicht machen.«

»Wie soll denn das zugehen?« fragte Eva-Lotte.

»So!« sagte Onkel Einar und zog einen kleinen Gegenstand aus der Tasche. Er beschäftigte sich eine Weile mit dem Schloß, und gleich danach schwang die Tür knirschend in ihren Angeln.

Die Kinder starrten voll Erstaunen abwechselnd Onkel Einar und die Tür an. Das war ja die reine Zauberei.

»Wie hast du das gemacht, Onkel Einar? Darf ich mal sehen?« fragte Kalle eifrig.

Onkel Einar hielt den kleinen Metallgegenstand hin.

»Ist das – ist das ein Dietrich?« fragte Kalle.

»Richtig geraten«, sagte Onkel Einar.

Kalle war überglücklich. Er hatte so oft von Dietrichen gelesen, aber er hatte nie einen gesehen.

»Darf ich den mal haben?« fragte er.

Er bekam ihn, und er fühlte, daß dies ein großer Augenblick in seinem Leben war. Dann kam ihm ein Gedanke. Nach dem, was er gelesen hatte, waren es meist dunkle Gestalten, die Dietriche besaßen. Das erforderte eine Erklärung.

»Warum hast du einen Dietrich, Onkel Einar?« fragte er.

»Weil ich geschlossene Türen nicht liebe«, sagte Onkel Einar kurz.

»Wollen wir nicht runtergehen?« fragte Eva-Lotte. »Ein Dietrich ist ja nicht die Welt«, fügte sie hinzu, als ob sie niemals etwas anderes getan hätte, als Schlösser mit dem Dietrich auf-zumachen.

Anders war bereits die ausgetretene Treppe, die in den Keller führte, hinuntergelaufen. Seine braunen Augen leuchteten vor Abenteuerlust. Das war spannend! Nur Kalle fand, daß ein Dietrich etwas Merkwürdiges war. Nein, aber alte Gefängnishöhlen, das war etwas! Mit einem bißchen Phantasie konnte man beinahe das Rasseln der Ketten hören, mit denen die armen Gefangenen hier unten vor vielen hundert Jahren gefesselt waren.



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